Geboren 1893 in Greifswald lebte der deutsche Autor von frühester Kindheit an in einem Umfeld von Krisen, emotionaler Instabilität und einem lebenslangen Kampf mit sich selbst. Seine Jugend wurde von zwei schweren Unfällen (1909 und 1911) geprägt, die ihn monatelang ans Bett fesselten und seine Neigung zu Depression, Abhängigkeit und selbstzerstörerischen Impulsen verstärkten. Erst im dritten Satz erscheint Hans Fallada als klar umrissene Gestalt, ein Mann, der diese Wunden sein Leben lang mit sich trug und im Schreiben den einzigen festen Mittelpunkt fand, der ihn stabil hielt. In den Jahren danach folgten zahlreiche psychiatrische Einweisungen, Selbstmordversuche und eine Morphinsucht, die ursprünglich aus medizinischen Behandlungen nach seinen Verletzungen entstand. Er geriet in kleinere Diebstähle, fälschte Rezepte, um Drogen zu erhalten, und stand wiederholt vor Gericht, Erfahrungen, die später das psychologische Fundament vieler seiner Romane bildeten. 1920 wurde er als landwirtschaftlicher Verwalter wegen Unterschlagung verhaftet und verbrachte Zeit im Gefängnis, ein Abschnitt, der ihm reiches Material für zukünftige Werke lieferte. Nach seiner Entlassung zog er nach Berlin, trat in die Verlagswelt ein und begann jene erzählerische Arbeit, die ihn zu einem der schärfsten Beobachter des Alltags in der Weimarer Republik machte. Sein Blick richtete sich nicht auf die Mächtigen, sondern auf einfache Männer und Frauen, die unter Arbeitslosigkeit, Schulden, sozialem Druck und der Härte des städtischen Lebens litten. Einer seiner bekanntesten Romane, „Kleiner Mann, was nun?“ (1932), schildert das Leben eines jungen Paares, das versucht, die wirtschaftliche Krise jener Jahre zu überstehen. Das Buch wurde sofort zu einem internationalen Erfolg, weil es die Verletzlichkeit des deutschen Kleinbürgertums am Vorabend des Nationalsozialismus mit ungeschönter Klarheit zeigte. Unter dem NS-Regime versuchte Fallada, ohne offene Parteinahme zu überleben, eine nahezu unmögliche Position. Er stand unter ständiger Beobachtung der Gestapo, litt unter politischem und verlegerischem Druck und führte eine zerstörerische Ehe, geprägt von Alkoholismus, Abhängigkeiten und gegenseitiger Gewalt. 1944 schoss er während eines Streits auf seine Frau (sie überlebte) und wurde daraufhin in eine forensische Psychiatrie eingewiesen, wo er weiter manisch schrieb, während draußen das Reich zusammenbrach. Nach 1945 fand er Zuflucht in der sowjetischen Besatzungszone, der späteren DDR, wo er Schutz und eine kulturelle Aufgabe erhielt. Dort schrieb er sein letztes großes Werk, „Jeder stirbt für sich allein“ (1947), basierend auf einer wahren Geschichte. Der Roman erzählt die stille Widerstandsaktion eines Berliner Ehepaares, das anonym antinazistische Botschaften in der Stadt hinterließ. Das Buch gilt bis heute als eines der stärksten literarischen Zeugnisse gegen den Totalitarismus und als Hommage an den anonymen moralischen Mut gewöhnlicher Menschen. Seine letzten Jahre verbrachte er im Dorf Carwitz, einem scheinbaren Rückzugsort, an dem er jedoch weiterhin gegen Abhängigkeiten, Angst, körperlichen Verfall und die Last seiner Vergangenheit kämpfte. Er starb im Februar 1947 im Alter von nur 53 Jahren, ausgebrannt von Jahrzehnten innerer Kämpfe und äußerer Erschütterungen. Sein Vermächtnis ist das eines Schriftstellers, der niemals vor der menschlichen Zerbrechlichkeit zurückwich. Er schilderte das Deutschland der kleinen Angestellten, der verarmten Familien, der Übersehenen, jene Menschen, die die große Geschichte verdrängt, die er jedoch unvergesslich machte.
Roberto Minichini, Februar 2026









